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Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (19%)

Symptome

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel ist der häufigste episodische Schwindel. Es besteht ein Drehschwindel von etwa 15-60 Sek. Dauer, welcher häufig durch Drehung des Kopfes zur betroffenen Seite ausgelöst wird. Schwindel kann auch beim Heben des Kopfes, beim Aufstehen oder Umdrehen im Bett auftreten. In Ruhe liegen keine Beschwerden vor. Ein Ohrgeräusch oder eine Hörminderung treten nicht auf.

Ursache

Das Gleichgewichtsorgan enthält drei in Verbindung stehende kreisförmige Röhren, die sog. Bogengänge. Diese sind in den drei Ebenen des Raums angeordnet und übermitteln dem Gehirn Informationen über die Richtung und Geschwindigkeit der Bewegung des Kopfes. Je nach Drehrichtung werden ein oder mehrere Bogengänge erregt. Unter normalen Bedingungen führen Bewegungen nur für die Dauer der Kopfbewegung zu einer kurzen Stimulation dieser Sinneszellen.

Beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel bilden sich in einem Bogengang kleine Partikel (sog. Konglomerate). Durch eine normale Bewegung des Kopfes wird das Konglomerat im Röhrensystem von seiner 

niedrigen Ausgangsposition (Position 1) zu einem höheren Punkt (Position 2) „angehoben“. Wenn diese Position beibehalten wird „sinkt“ es durch die Einwirkung der Schwerkraft zum tiefsten Punkt (Position 1) zurück. Während des Absinkens entsteht durch eine unerwünschte Erregung der Sinneszellen des Gleichgewichtsorgans ein kurzer, aber heftiger Drehschwindel. Dieser endet nach 10-20 Sek. sobald das Konglomerat am tiefsten Punkt angekommen ist und beginnt bei einer erneuten Bewegung des Kopfes, welche es dann wieder in eine höhere Position „hebt“, von neuem. Durch ein therapeutisches Lagerungsmanöver gelingt es die Otokonien in einem Bereich des Gleichgewichtsorgans (Position 3) zu verlagern welcher keinen Schwindel mehr auslösen kann.

In 90 % der Fälle tritt ein gutartiger Lagerungsschwindel ohne erkennbaren Anlass auf. In 10 % bestand zunächst eine andere Erkrankung des Gleichgewichtsnerven (Neuropathia vestibularis, siehe dort), des Gleichgewichtsorgans (Morbus Menière, siehe dort) oder auch nur eine längere Bettruhe aufgrund einer anderen Erkrankung.

Diagnose

Die Situationen, welche im Alltag Schwindel auslösen, werden bei Durchführung der Lagerungsproben simuliert. Hierzu wird der Kopf durch eine Drehbewegung in eine abhängige Körperhaltung gebracht. Jeweils ein Bogengang des rechten und linken Ohrs befindet sich hierbei in einer Ebene und wird durch die einwirkende Schwerkraft stimuliert. Bei einem Gesunden zeigen sich bei dieser Untersuchung keine Auffälligkeiten. Bei einer Schädigung eines Bogengangs lässt sich eine ruckartige Augenbewegung (sog. Nystagmus) nachweisen. Lagerungsproben sind ein einfaches und zuverlässiges Verfahren, um das betroffene Ohr und den geschädigten Bogengang zu identifizieren. Dies ist Voraussetzung für eine optimale Behandlung mit der entsprechenden Lagerungsübung (siehe Therapie).

Therapie und Verlauf

Die Therapie des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels besteht in einer relativ einfach zu erlernenden Lagerungsübung, deren Ziel es ist, das unkontrolliert im Bogengang „schwimmende“ Partikel in eine Region des Gleichgewichtsorgans zu verlagern, welche bei Lagewechsel keinen Schwindel hervorrufen kann. Durch die Lagerungsproben wird zunächst festgestellt, ob das rechte oder linke Gleichgewichtsorgan betroffen ist. Sodann ist zu klären, welcher der drei Bogengänge betroffen ist, um die richtige Art der Übung auszuwählen. In vielen Fällen wird bereits nach wenigen Übungen eine deutliche Besserung beobachtet. Jedoch auch ohne derartige Übungen bessert sich der Schwindel häufig innerhalb von wenigen Tagen. Nach Abklingen des akuten Schwindels besteht meist noch für einen Zeitraum von mehreren Wochen eine leichte Benommenheit beim Gehen.

Erfahrungsgemäß wird innerhalb eines Jahres mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 40% erneut ein Lagerungsschwindel auftreten. Vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor erneutem Auftreten des Lagerungsschwindels sind nicht bekannt.