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Bilaterale Vestibulopathie (5%)

Symptome

Beim Gehen oder bei Kopfbewegungen bestehen eine Unschärfe des Sehens oder eine scheinbare kurze Bewegung der Umgebung. Beim Gehen wird häufig über eine Beeinträchtigung beim Erkennen von Straßenschildern oder von Gesichtern geklagt. In Ruhe liegen keine Symptome vor. Die Beschwerden werden nicht selten als Gangunsicherheit oder Benommenheit geschildert.

Die Gangunsicherheit nimmt typischerweise im Dunkeln oder auf unebenem Untergrund zu. Meist besteht zu Beginn der Erkrankung auch ein Minuten bis Tage anhaltender Dreh- oder Schwankschwindel.

Ursache

Um unsere Umgebung scharf wahrnehmen zu können, muss das Auge bei Bewegungen des Kopfes durch einen rasch auf die Kopfbewegungen reagierenden Mechanismus stabilisiert werden. Das Gleichgewichtsorgan korrigiert die Bewegungen des Kopfes durch gegenläufige Augenbewegungen und verhindert so ein „Verwackeln“ der Bilder auf der Netzhaut bei Bewegung des Kopfes.

Verschiedene Erkrankungen, vorzugsweise immunologische Erkrankungen, jedoch auch eine Reihe von Medikamenten, können durch eine Schädigung des Gleichgewichtsorgans diesen Regulationsmechanismus stören.

Diagnose

Die Diagnose einer Vestibulopathie sollte durch eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte und die Prüfung des sog. vestibulookulären Reflexes (VOR) bei der klinischen Untersuchung gelingen. Der vestibulookuläre Reflex prüft die Intaktheit des Regulationsmechanismus, welcher für Blickstabilität bei raschen Kopfbewegungen verantwortlich ist. Bei einseitigen oder beidseitigen Schädigungen wird sich hierbei ein auffälliger Befund ergeben. Zusätzlich kann eine sog. dynamische Visusprüfung Hinweise auf eine Schädigung ergeben. Bei Vorliegen einer Vestibulopathie ist es in der Regel erforderlich, Blutuntersuchungen im Hinblick auf mögliche immunologische Erkrankungen zu veranlassen, sowie die aktuellen und auch in der Vergangenheit eingenommenen Medikamente auf eine mögliche Schädigung des Gleichgewichtsorgans zu überprüfen. In 30 % der Fälle gelingt eine Zuordnung der Ursache jedoch nicht.

Therapie und Verlauf

Da eine Reihe von Medikamenten, hierzu zählen unter anderem bestimmte Antibiotika, sog. ototoxische Substanzen enthalten die zu einer Schädigung des Gleichgewichtsorgans führen können, sollte vor der Verordnung derartiger Substanzen eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung und eine ausführliche Aufklärung des Patienten erfolgen.

Vor allem bei immunologisch bedingten Schädigungen des Gleichgewichtsorgans können spontane Besserungen auch ohne Therapie auftreten. Falls sich Anhaltspunkte für eine Autoimmunerkrankung ergeben, kann eine Behandlung mit Kortison oder anderen Substanzen zur Verringerung der körpereigenen Immunabwehr in Betracht gezogen werden.

Abhängig von der Ursache der Schädigung ist eine Übungstherapie (siehe Vestibuläre Rehabilitation) zur Verbesserung des Gleichgewichts sinnvoll. Da durch den Ausfall eines oder beider Gleichgewichtsorgane deren Informationen für die Gleichgewichtsregulierung fehlen, muss durch entsprechendes Training vermehrt auf visuelle Informationen und Rückmeldungen aus den Sehnen und Muskeln des Körpers zurückgegriffen werden. Hierdurch kann der Ausfall des Gleichgewichtsorgans zumindest teilweise kompensiert werden.