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Morbus Menière (8%)

Symptome

Die Minuten bis Stunden andauernden Drehschwindelattacken treten ohne erkennbaren Anlass in Abständen von Monaten bis Jahren auf. Häufig wird zur selben Zeit ein Ohrgeräusch, eine Hörminderung oder ein Druckgefühl am Gehörgang bemerkt. Zu Beginn der Erkrankung treten diese „typischen“ Beschwerden nicht alle gleichzeitig auf und bilden sich in der Regel vollständig zurück. Die Erkrankung tritt zunächst auf einem Ohr auf. Ohne Behandlung folgen in Abständen von Monaten bis Jahren mehrere Schwindelattacken. Über Zeiträume von 5-10 Jahren entwickeln sich dann eine bleibende Hörminderung und ein Dauerschwindel mit Gangunsicherheit. Nach Jahren werden während der Attacken dann oft nur noch eine Verstärkung des ständig vorhandenen Ohrgeräuschs, der Hörminderung oder des chronischen Schwindels wahrgenommen.

Nach etwa 10 Jahren nimmt die Häufigkeit der Schwindelattacken auf der betroffenen Seite ab. Ohne Behandlung treten in 35 % der Fälle später auf der gesunden Seite dieselben Symptome auf.

Ursache

Das Ohr enthält ein flüssigkeitsgefülltes Röhrensystem, welches von einer Membran begrenzt wird. Bei Schwindelattacken bläht sich dieses System wie ein unter Druck stehender Ballon auf. Die Flüssigkeit wird als Endolymphe ( in der Scala media ) und das Anschwellen des Röhrensystems als endolymphatischer Hydrops bezeichnet. Der zu hohe Druck führt dann zu einem Riss in einer dünnen Membran ( Reissner Membran ) und die Flüssigkeit fließt in einen anderen ebenfalls flüssigkeitsgefüllten Raum, die sogenannte Perilymphe ( in der Scala vestibuli ), ab. Hierbei vermischt sich die kaliumreiche Endolymphe mit natriumreicher Perilymphe.

Quelle: Source= adaption of english version |Date=2007 |Author= en-user Oarih |Permission=GFDL

Die Trennung von Natrium und Kalium ist jedoch für die Informationsübertragung im Innenohr wichtig. Das Zusammenfließen der Flüssigkeiten führt zu einer fehlerhaften Übertragung der Informationen des Gleichgewichtsnervs und des Gehörnervs zum Gehirn. Die gestörten Impulse werden als Ohrgeräusch, Hörminderung oder Drehschwindel wahrgenommen.

In der Regel verschließt sich die Öffnung in der Membran ohne Therapie. Falls der Überdruck langfristig nicht abgebaut werden kann, entstehen durch die ständigen Risse in der Trennmembran Vernarbungen. Dies führt dazu, dass sich nach mehreren Jahren ein Teil der Beschwerden nicht mehr zurückbildet. Es besteht dann meist ein kontinuierlicher Schwindel, ein Ohrgeräusch oder eine Hörstörung.

Eine von mehreren möglichen Ursachen für die Entstehung des Überdrucks im Röhrensystem ist eine Behinderung des Abflusses der Endolymphe. Neben einer Abflussstörung scheinen auch immunologische Faktoren die Entwicklung der Erkrankung zu begünstigen. Eine langfristige Verbesserung tritt ein, wenn sich zwischen den beiden flüssigkeitsgefüllten Systemen eine dauerhafte Verbindung, eine sog. Fistel, ausbildet, die eine ständige „Druckentlastung“ ermöglicht.

Diagnose

Die Diagnose einer Menièrschen Erkrankung ist zu Beginn schwierig, da zunächst nur während der Schwindelattacken krankhafte Befunde zu erheben sind. Bei den Schwindelattacken besteht eine Störung der Augenbewegung. Hierbei ist ein schnelles „Augenrucken“, ein sog. Nystagmus, in Richtung des gesunden Ohrs nachweisbar. Zusätzlich kann bei der Gehörprüfung eine verminderte Wahrnehmung von tiefen Frequenzen vorliegen. Diese Auffälligkeiten bilden sich nach den ersten Attacken vollständig zurück. Da eine Untersuchung in der Regel später erfolgt, werden zu Beginn der Erkrankung keine Auffälligkeiten nachweisbar sein. Falls während einer Schwindelattacke ein Völlegefühl des Ohrs, eine Hörminderung oder ein Ohrgeräusch bestehen, sollte ein Morbus Menière in Betracht gezogen werden. Die Diagnose wird wahrscheinlicher, wenn es gelingt, andere ähnlich verlaufende Erkrankungen auszuschließen. Nach mehreren Attacken wird sich bei der Gehörprüfung eine zunehmende und dauerhafte Verschlechterung des Gehörs für tiefe Frequenzen nachweisen lassen und die Diagnosestellung erleichtern.

Sollten Schwindelattacken über einen Zeitraum von mehreren Jahren wiederholt auftreten, ohne dass die „typischen“ Begleitbeschwerden nachweisbar sind, muss die Diagnose einer Menièrschen Erkrankung in Zweifel gezogen werden.

Therapie und Verlauf

Die Therapie beruht einerseits auf einer Behandlung der während der Attacke auftretenden Übelkeit, des Erbrechens und des Schwindels durch sogenannte Antivertiginosa und Antiemetika und andererseits auf einer vorbeugenden Therapie zur Vermeidung künftiger Attacken mit dem Medikament Betahistin (siehe Medikamentöse Therapie).

Operative Eingriffe

Bei häufigen Schwindelattacken, welche auf eine medikamentöse Behandlung nicht ansprechen, kann ein operativer Eingriff vorgenommen werden. Ziel der operativen Behandlung ist es, die Druckerhöhung der Endolymphe abzubauen. Der Eingriff ist jedoch nicht immer erfolgreich bzw. der Erfolg nicht immer bleibend (etwa 50–60 % der Patienten berichten über eine Besserung der Schwindelattacken).

Eine weitere Behandlung besteht in der „Ausschaltung“ des Gleichgewichtsorgans durch lokale Gabe des Antibiotikums Gentamycin. Bei dieser Therapie entsteht jedoch eine Schädigung des Gehörs und des Gleichgewichtsorgans. Die Behandlung wird erst bei Versagen anderer Therapieformen in Betracht kommen.

Ein weiteres Behandlungsverfahren ist die Labyrinthanästhesie. Hierbei wird ein Betäubungsmittel durch einen kleinen Schnitt im Trommelfell ins Mittelohr eingebracht.

Als letzte Behandlungsmöglichkeit kann eine operative Durchtrennung des Hör- und Gleichgewichtsnervs erfolgen. Der Eingriff führt jedoch zu einer dauerhaften Ertaubung und zumindest vorübergehend auch einer starken Beeinträchtigung des Gleichgewichts.

Bei allen Verfahren ist zu berücksichtigen, dass die Erkrankung später auch das bislang gesunde Gleichgewichtsorgan erfassen kann. Eine vorschnelle Ausschaltung einer Seite kann somit langfristig zum beidseitigen Verlust des Gleichgewichtssinns und des Hörvermögens führen.