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Neuropathia vestibularis (8%)

Symptome

Es bestehen ein akuter Drehschwindel in Verbindung mit heftiger Übelkeit, Erbrechen und starkem Krankheitsgefühl. Teilweise treten wenige Tage vor den akuten Beschwerden kurzzeitige Drehschwindel- oder Schwankschwindelattacken auf. Die Beschwerden zeigen sich in abgeschwächter Form auch in Ruhe und gehen mit einer scheinbaren Bewegung der Umgebung (Oszillopsie) einher. Der Schwindel verstärkt sich bei Bewegung, so dass eine ruhige Körperhaltung eingenommen wird. Die Gleichgewichtsstörung führt zu einer Fallneigung zur betroffenen Seite. Ein Ohrgeräusch oder eine Hörminderung liegen nicht vor.

Ursache

Es besteht eine Schädigung des Gleichgewichtsnervs, dessen Ursache noch nicht abschließend geklärt ist. Es wird jedoch vermutet, dass eine Viruserkrankung bzw. eine immunologische Störung bei der Schädigung des Nervs eine Rolle spielen.

Diagnose

Bei der klinischen Untersuchung ergeben sich Hinweise auf eine Schädigung des Gleichgewichtsnervs. Es zeigen sich eine Augenbewegungsstörung, d.h. ein Augenrucken (Nystagmus) zur gesunden Seite, und eine Störung des Kopfimpulstests (vestibulookulärer Reflex) auf der geschädigten Seite.

In Ergänzung zu der klinischen Untersuchung kann eine Schädigung des Gleichgewichtsnervs auch durch die Videookulographie oder eine Elektronystagmographie (siehe Untersuchungsmethoden) nachgewiesen werden. Hierbei zeigt sich bei Spülung des äußeren Gehörgangs mit warmer bzw. kalter Flüssigkeit auf der erkrankten Seite eine verminderte Reaktion.

Therapie & Verlauf

Die Behandlung der Neuropathia vestibularis besteht in der Gabe von Medikamenten zur Besserung des Schwindels (Antivertiginosa) und der Übelkeit (Antiemetika) sowie in der Verabreichung von Kortison zur Behandlung der „Entzündung“ des Gleichgewichtsnervs. Eine Behandlung mit Medikamenten, die zur Therapie von Viruserkrankungen eingesetzt werden, hat auch in Kombination mit Kortison, keinen Vorteil gegenüber der alleinigen Gabe von Kortison ergeben.

Nach einem Zeitraum von zwei Jahren ist lediglich bei 40 % der Patienten eine vollständige Erholung eingetreten. Bei etwa 30 % der Betroffenen zeigt sich eine teilweise Besserung der Symptome und bei weiteren 30 % tritt keine Regeneration des Nervenschadens ein. In der Regel werden jedoch selbst Patienten mit einer fehlenden oder nur unvollständigen Erholung des Gleichgewichtsnervs eine Besserung des Schwindels bemerken. Zumindest in Ruhe bestehen dann auch bei diesen Patienten keine Symptome. In unterschiedlichem Umfang zeigt sich jedoch bei rascher Bewegung des Kopfes eine scheinbare „Bewegung der Umgebung“ (Oszillopsie).Mit einem Wiederauftreten der Erkrankung ist nur in etwa 2 % der Fälle und dann in der Regel am anderen Ohr zu rechnen.

Nach Besserung der akuten Beschwerden kann ein gutartiger Lagerungsschwindel (siehe dort) als eigenständige Erkrankung hinzutreten. In einem Teil der Fälle tritt später ein phobischer Attackenschwindel (siehe dort) auf. Bei einer unvollständigen Rückbildung des Schwindels sollte daher, insbesondere bei Änderung der Art der Beschwerden, die Möglichkeit eines phobischen Attackenschwindels oder eines gutartigen Lagerungsschwindels in Betracht gezogen werden.