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Schwindel - was ist das?

Wie wissen wir, dass wir „im Gleichgewicht“ sind?

Um die Frage nach der Entstehung von Schwindel beantworten zu können, muss man die Voraussetzungen für Gleichgewicht und Orientierung im Raum unter normalen Bedingungen betrachten. Zudem ist zu berücksichtigen, dass es „den Schwindel“ nicht gibt. Das Spektrum möglicher Erscheinungsformen von Schwindel reicht von einem unerträglichen Drehschwindel bis zu einer leichten Gangunsicherheit. Das eigentliche Problem der Diagnoseerhebung und Behandlung von Schwindel lautet daher: „Welchen Schwindel meint der Patient denn?“ Da wir selten unter Schwindel leiden, fällt es schwer, Schwindel präzise zu beschreiben und daher werden unterschiedliche Arten von Schwindel ähnlich geschildert. Aufgabe des Arztes ist es, nach den individuellen Besonderheiten des Schwindels zu fragen, um die Untersuchungen in die richtige Richtung zu lenken.

Mehrere Regionen unseres Gehirns erhalten durch Sinnesorgane kontinuierlich Informationen über unsere Körperhaltung und die Richtung der Schwerkraft. Sensoren in unseren Füßen teilen uns unter anderem mit, ob wir uns auf einer ebenen Fläche oder einer abschüssigen Rampe befinden. Unsere Augen übermitteln Informationen über unsere Körperhaltung in Relation zu unserer Umgebung und dem Horizont. Die Gleichgewichtsorgane in den Ohren informieren uns über die Richtung der auf uns einwirkenden Schwerkraft und teilen uns zusammen mit den Informationen der Augen mit, „wo oben und unten ist“. Das Gleichgewichtsorgan misst auch den Umfang und die Geschwindigkeit der Bewegung unseres Kopfes. Sinneszellen im Bereich der Halswirbelsäule und der Nackenmuskulatur informieren uns über die Stellung unseres Kopfes in Relation zum Körper.

Im Gegensatz zu Hören, Sehen oder Fühlen ist Schwindel keine Wahrnehmung, die durch ein einzelnes Sinnesorgan erzeugt wird. Die Wahrnehmung von Gleichgewicht und einer normalen Orientierung im Raum, d.h. die Abwesenheit von Schwindel, entsteht durch die Analyse der Informationen mehrerer Sinnesorgane im Gehirn. Sind diese Informationen in sich „stimmig“ fühlen wir uns im Gleichgewicht.

Damit wir uns normal bewegen können, benötigen wir ein ungestörtes Gleichgewicht. Die geringsten Ansprüche an unser Gleichgewicht stellen das aufrechte Sitzen beziehungsweise Stehen dar. Beim Stehen kippen wir nicht um, da der Schwerpunkt unseres Körpers durch wechselnde Anspannung der Beinmuskulatur stets zwischen unseren Füßen gehalten wird. Für diesen Regelmechanismus benötigt man Informationen über die Stellung der Füße in Relation zum Boden und über die Richtung der Schwerkraft. Diese Messdaten werden durch die Sehnen und Muskeln der Beine und das Gleichgewichtsorgan im Ohr erfasst und zur Analyse an das Gehirn weitergeleitet. Das Gehirn reguliert aufgrund dieser Informationen die Anspannung der Muskulatur. Dies ermöglicht es uns, in völliger Dunkelheit aufzustehen und das Gleichgewicht auch ohne optische Informationen zu halten.

Das Sehen ergänzt die Informationen des Gehirns um die räumliche Orientierung in der Umgebung. Im Rahmen unserer Entwicklung „lernt“ das Gehirn, wie die Informationen der verschiedenen Systeme üblicherweise „zusammengehören“. Dies bedeutet, dass unter normalen Bedingungen der über das Sehen wahrgenommene Horizont senkrecht zu der vom Ohr ermittelten Schwerkraft verläuft. Auch die von den Messfühlern der Füße ermittelte Position unseres Körpers in Relation zum Boden muss mit den übrigen Daten übereinstimmen.

Schwindel entsteht, wenn aufgrund einer Erkrankung ein Organ falsche Signale liefert und in diesem fein abgestimmten System „Unstimmigkeiten“ zwischen den Daten der verschiedenen Sinnesorgane bestehen.

Das Missverhältnis wird entweder als eine Störung der räumlichen Orientierung oder als scheinbare Bewegung des Körpers oder unserer Umgebung vom Gehirn fehlinterpretiert und als Schwindel wahrgenommen. Dies wird als sensory-mismatch bezeichnet.

Beispiele eines natürlichen Schwindels - Distanzschwindel – Bewegungskrankheit

Schwindel kann unter natürlichen Bedingungen beim Blick von hohen, freistehenden Gebäuden auftreten. Hierbei handelt es sich nicht, wie bislang angenommen, um Höhenangst, d.h. um eine psychiatrische Erkrankung. Schwindel entsteht unter diesen Bedingungen dadurch, dass zwischen dem Auge und den nächsten räumlichen Objekten, die eine visuelle Orientierung ermöglichen, eine zu große Distanz besteht. Hierdurch entfällt eine für die Regulation der Körperhaltung üblicherweise genutzte Information. Unter solchen Bedingungen sind unsere Körperschwankungen messbar vergrößert. Manche Personen nehmen diese verstärkten Schwankungen wahr und reagieren hierauf mit Ängsten oder der Besorgnis, das Gleichgewicht zu verlieren.

Auch beim Lesen in einem fahrenden Kfz kann bei empfindlichen Personen ein Schwindel ausgelöst werden. Das „still stehende Bild“ beim Lesen während der Fahrt vermittelt den visuellen Eindruck eines sich nicht bewegenden Objektes. Gleichzeitig übermittelt jedoch das Gleichgewichtsorgan des Ohrs die Bewegung des Fahrzeugs zum Gehirn. Die „Unstimmigkeit“ der Sinnesreize führt bei vielen Menschen zu Schwindel.

Auch die Übelkeit bei Schiffsreisen ist auf einen ähnlichen Mechanismus zurückzuführen.