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Vestibuläre Migräne (9%)

Symptome

Schwindel tritt bei einer vestibulären Migräne in sehr unterschiedlicher Art auf. Es können ein Drehschwindel, ein Schwankschwindel oder nur eine Gangunsicherheit bestehen. Die Dauer der einzelnen Attacken schwankt zwischen wenigen Minuten und über 24 Stunden, in der Mehrzahl der Fälle jedoch weniger als 1 Stunde.

Sehr typisch für eine vestibuläre Migräne ist, dass in zeitlichem Zusammenhang mit den Schwindelattacken zusätzliche Beschwerden vorliegen, die  so auch bei einer Migräneattacke beobachtet werden. Hierzu zählt die Verstärkung der Symptome bei Bewegung sowie bei lauter oder heller Umgebung. Während der Schwindelattacken kann eine Unverträglichkeit auf bestimmte Gerüche vorliegen. Bei Frauen können die Schwindelattacken im zeitlichen Zusammenhang mit ihrer Periode bestehen. Auch ein Ohrgeräusch kann zusammen mit dem Schwindel auftreten. In etwa 60 % der Fälle geht dem Schwindel ein Kopfschmerz voraus, begleitet ihn oder tritt nach Abklingen des Schwindels auf. Die Kopfschmerzen weisen häufig nicht den bei einer Migräne typischen Schwerpunkt an der Schläfe in Verbindung mit einem starken Pulsieren auf. Nicht selten besteht nur ein Kopfdruck oder eine einem Spannungskopfschmerz vergleichbare Symptomatik. Vereinzelt besteht kein zeitlicher Zusammenhang zwischen den Schwindelattacken und den Kopfschmerzen. In etwa 40% der Fälle fehlt ein Kopfschmerz völlig.

Ursache

Schwindel bei einer vestibulären Migräne kann sehr vereinfacht als ein Migränesymptom ohne begleitende Kopfschmerzen aufgefasst werden. Die Ursache der vestibulären Migräne ist noch nicht eindeutig geklärt. Es werden, ähnlich den Verhältnissen bei der Migräne, Störungen des Elektrolythaushalts der Nervenzellen (Ionenkanal-Erkrankungen) in bestimmten Regionen des Gehirns in Verbindung mit Störungen bei der Freisetzung von Botenstoffen des Gehirns (sog. Neurotransmitter) diskutiert.

Diagnose

Die Diagnose einer vestibulären Migräne stützt sich überwiegend auf eine typische Beschwerdeschilderung und gestaltet sich einfach, falls Kopfschmerzen den Schwindel einleiten, ihn begleiten oder auf diesen folgen. Das gleichzeitige und wiederholte Auftreten von Schwindel und Migränebegleitsymptomen, in erster Linie in Form einer gesteigerten Licht- oder Lärmempfindlichkeit, ist zur Diagnosestellung erforderlich. Gemäß den Kriterien der internationalen Kopfschmerzgesellschaft gilt eine vestibuläre Migräne als sicher, wenn bei zwei Schwindelattacken zwei der folgenden Symptome, z.B. Lichtempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit, Kopfschmerzen oder Sehstörungen bzw. andere Aurasymptome, auftreten. Migräneattacken können zusätzlich auch ohne Schwindelattacken auftreten. Treten Schwindel und Migräne ohne zeitlichen Zusammenhang auf, ist dies für die Diagnose einer vestibulären Migräne nicht ausreichend. Während der beschwerdefreien Phasen können HNO-ärztliche Untersuchungen Hinweise auf eine Schädigung des Ohres oder auch des zentralen Gleichgewichtsorgans ergeben. Im Gegensatz zu anderen Arten von Migräne weisen Patienten mit einer vestibulären Migräne in etwa 60 % auch in beschwerdefreien Phasen leichte, zentral bedingte Augenbewegungsstörungen (z.B. Blickrichtungsnystagmus, Sakkadenstörung, vertikalen oder horizontalen Spontannystagmus, Lagenystagmus) auf.

Therapie und Verlauf

Die Behandlung der vestibulären Migräne beinhaltet zunächst die Therapie des Symptoms Übelkeit. Hierfür kommen mehrere Medikamente (siehe medikamentöse Therapie Antiemetika) in Betracht.

Die bei anderen Schwindelerkrankungen häufig benutzten Medikamente zur Behandlung von Schwindel (sog. Antivertiginosa) sind bei der vestibulären Migräne unwirksam.

In Einzelfällen zeigte eine Behandlung mit Triptanen, d.h. üblicherweise zur Behandlung von Migräneattacken eingesetzten Medikamenten, gute Erfolge. Diese Medikamente sind hierfür in Deutschland jedoch nicht zugelassen!

Bei häufigem Auftreten von Schwindelattacken wird eine Behandlung, ähnlich wie bei gehäuften Migräneattacken, mit einem Betablocker (Medikament zur Behandlung des hohen Blutdrucks), einem Antikonvulsivum (Medikament zur Behandlung der Epilepsie) oder einer Reihe weniger häufig verordneter Medikamente (Antidepressiva, Kalziumantagonisten) in Betracht kommen. Ziel dieser Behandlung ist eine Reduktion der Häufigkeit der Schwindelattacken. Ein realistisches Therapieziel ist eine Anfallsreduktion um 50-70 %. Nicht selten stellt sich eine Verminderung der Anfallshäufigkeit erst nach einer mehrmonatigen Behandlungsphase ein. Nach etwa 6 Monaten kann eine schrittweise Medikamentenreduktion versucht werden, da nach erfolgreicher Behandlung häufig auch ohne Fortführung der Therapie eine längere beschwerdefreie Phase auftritt.