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Zentral-vestibulärer Schwindel (13%)

Symptome

Schwindelattacken, die von einer Durchblutungsstörung des Gehirns verursacht werden, dauern wenige Minuten bis mehrere Stunden an. Häufig bestehen zusammen mit den Schwindelattacken andere Symptome, welche auf eine Durchblutungsstörung des Gehirns hinweisen. Hierzu zählen Sehstörungen, Stürze bei erhaltenem Bewusstsein, Koordinationsstörungen der Hände, eine Gangunsicherheit, eine Gefühlsstörung im Bereich des Gesichts, Doppelbilder, Sprachstörungen sowie selten ein Ohrgeräusch oder eine Hörminderung.

Schwindel aufgrund einer Durchblutungsstörung des Gehirns kann einen Schlaganfall zur Folge haben. Daher müssen bei Schwindel in Verbindung mit den dargestellten Beschwerden Durchblutungsstörungen des Gehirns in Betracht gezogen werden.

Ursache

Vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns werden als transitorisch- ischämische Attacke (TIA) bezeichnet. Schwindel entsteht in der Regel bei Durchblutungsstörungen in einer bestimmten Region des Gehirns - dem Hirnstamm. Statistisch betrachtet tritt die Mehrzahl der Durchblutungsstörungen jedoch in anderen Bereichen des Gehirns auf, welche keinen Schwindel verursachen. Die Durchblutungsstörungen in der „kritischen Region“ im Hirnstamm betreffen meist jedoch nicht nur das Zentrum, welches das Gleichgewicht kontrolliert, sondern auch daran angrenzende Gehirnregionen, die andere Funktionen steuern. Je häufiger also Schwindelattacken ohne die genannten anderen Begleitbeschwerden auftreten, umso unwahrscheinlicher ist eine Durchblutungsstörung als deren Ursache.

Die Blutversorgung des Gehirns wird durch insgesamt vier Gefäße gewährleistet. Ein großes Gefäß (Arteria carotis) verläuft links und rechts seitlich am Hals zum Gehirn und versorgt jeweils das vordere und mittlere Drittel einer Gehirnhälfte. Das hintere Drittel des Gehirns sowie der für die Entstehung von Schwindel wichtige Hirnstamm werden durch zwei Gefäße (A. vertebralis) versorgt, die entlang der Halswirbelsäule durch rundliche Aussparungen im Bereich der Wirbelkörper zum Gehirn verlaufen (foramina intervertebralia).

Die beiden großen Gefäße (A. carotis) führen den Gehirnhälften etwa 70% des benötigten Blutvolumens zu. Die übrigen Gefäße (A. vertebralis) übernehmen die restlichen 30%. Im Gehirn sind bei normalen anatomischen Verhältnissen alle vier Arterien durch eine Art Ringsystem (circulus arteriosus willisii) verbunden.

Dieses System gewährleistet, dass bei einem verminderten Zustrom von Blut aus einem der Gefäße die Unterversorgung des Gehirns durch einen vermehrten Zustrom aus einem anderen Gefäß meist kompensiert werden kann.

Diagnose

Falls der Schwindel zum Zeitpunkt der Untersuchung noch besteht, kann durch 3 einfache Tests (Kopfimpulstest, Untersuchung der Nystagmusrichtung und Nachweis einer Skew Deviation) auch ohne eine Röntgenuntersuchung in einem sehr hohen Prozentsatz der Fälle die Verdachtsdiagnose einer Durchblutungsstörung gestellt und eine weiterführende Untersuchung bzw. Therapie veranlasst werden.
Wenn bei der Untersuchung keine Schwindelattacken mehr bestehen, gestaltet sich eine sichere Diagnosestellung aufgrund der geschilderten früheren Beschwerden auch für erfahrene Neurologen schwierig. Da eine vorübergehende Durchblutungsstörung keine bleibenden Schäden hinterlässt werden technische und klinische Untersuchungen zu einem späteren Zeitpunkt völlig normale Befunde ergeben.

Die Diagnose stützt sich in diesen Fällen auf eine möglichst präzise Schilderung der Schwindelattacken und deren Begleitbeschwerden sowie auf den Nachweis von Risikofaktoren welche Durchblutungsstörungen des Gehirns begünstigen. Hierzu zählen Verengungen der Blutgefäße und Erkrankungen des Herzens oder des Blutes, die mit einem vermehrten Risiko von Schlaganfällen einhergehen. Bei begründetem Verdacht können eine Gefäßdarstellung sowie eine Untersuchung des Herzens sinnvoll sein. Wird ein akuter Drehschwindel durch eine Durchblutungsstörung des Gehirns verursacht besteht innerhalb der nächsten 4 Jahre ein 3-fach erhöhtes Risiko einen Schlaganfall zu erleiden. Sollten zusätzlich mindestens 3 Risikofaktoren (Alter über 55 Jahre, männliches Geschlecht, erhöhter Blutdruck, Diabetes mellitus, Herzgefäßerkrankung oder Fettstoffwechselstörung) vorliegen steigt das Risiko auf das 5,5-fache.

Bei Schwindelattacken aufgrund einer Durchblutungsstörung ohne Begleitbeschwerden wird eine Diagnosestellung lediglich im Sinne einer „Ausschlussdiagnose“ erfolgen. Dies bedeutet, dass andere Erkrankungen welche gleichfalls Schwindel verursachen können durch geeignete Untersuchungen ausgeschlossen werden.

Therapie

Die Therapie von durchblutungsbedingten Schwindelattacken richtet sich nach deren Ursache. Da diese sehr vielfältig sind, muss die Behandlung in enger Abstimmung mit dem Neurologen, Kardiologen und gegebenenfalls auch Gefäßspezialisten erfolgen. Soweit sich keine Verengungen der Gefäße nachweisen lassen, werden meist Medikamente zur Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes (sog. Blutverdünnung) und Medikamente zur Behandlung von Risikofaktoren (z.B. erhöhter Blutdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen) zum Einsatz kommen.